VON DEUTSCHLAND BIS KATHMANDU Grenzenlos nach Nepal
Einmal das „ Dach der Welt“ mit eigenen Augen sehen. Für Martin Leonhardt war das Motivation genug, wieder täglich in die Motorradstiefel zu steigen. 25.000 Kilometer, 15 Länder, ein Ziel: Nepal. Text & Bilder: Martin Leonhardt
M it dem ersten kräftigen Dreh am Gashahn seines Motorrads startet Martin Leonhardt im Juli 2025 zu einer neuen Expedition. Schnell raus aus Europa ist das Ziel, denn erst ab Istanbul befährt er wirklich unbekanntes Terrain. Moscheen prägen das Stadtbild der Türkei, Gewürzdüfte liegen in der Luft und die Restaurants bieten Mahlzeiten, die ihm noch völlig neu sind. Erste Motorradabenteuer beginnen am Salzsee Tuz Gölü mit einer der
ZUR PERSON
Martin Leonhardt ist Abenteurer, Fotograf und Referent. Er bereiste über 80 Länder auf allen Kontinenten und begeistert seit mehr als 20 Jahren mit seinen authentischen Multivisionsshows.
� @ freiheitenwelt � martin-leonhardt. de weltweit größten Flamingo-Kolonien und auf den Sandpisten zwischen den bizarren Tuffsteinformationen Kappadokiens.
Kurz hinter dem Schwarzen Meer windet sich die Georgische Heerstraße spektakulär durch den mächtigen Kaukasus, bevor ihn die russischen Polizeikontrollen dazu bringen, das Land nach wenigen Tagen wieder hinter sich zu lassen. Anschließend verschluckt ihn die kasachische Steppe: Endlose Weite, kaum Abwechslung am Horizont und eine Einsamkeit, wie er sie selten erlebt hat. Umso beeindruckender bleiben die Nächte unter einem glasklaren Sternenhimmel in Erinnerung. Erst Usbekistan bringt wieder Farbe zurück in die Reise. Taschkent überrascht als moderne Hauptstadt, während die türkis schimmernden Kuppeln Samarkands an die einstige Bedeutung als Handelszentrum der Seidenstraße erinnern.
Nie hätte Martin Leonhardt gedacht, Afghanistan einmal mit dem eigenen Motorrad zu bereisen. „ Momentan ist es sicher dort“, berichtet ihm ein anderer Reisender, doch den rostigen Schlagbaum an der Grenze passiert er trotzdem mit gemischten Gefühlen. Die ersten Kilometer sind überwältigend: Menschen kommen auf ihn zu, bieten Geld zum Tausch oder Obst zum Verkauf an. Im Süden des Landes verlangen die zentralen Wüsten dann alles von ihm ab. Desolate Straßen, tiefer Sand, grober Schotter und unzählige Schlaglöcher bestimmen den Weg – genau das Abenteuer, das er gesucht hat.
Unkalkulierbar bleiben hingegen die Begegnungen mit den Taliban. Immer wieder werden seine Dokumente kontrolliert, mehrmals muss er sich in schäbigen Gebäuden bei Kommandanten vorstellen. Einmal wird ihm
Was als Reise durch Europa beginnt, wird schnell zu einem intensiven Leben zwischen Asphalt, Staub und Grenzposten. die Weiterfahrt über Stunden verboten. Die Wartezeit verbringt er mit einem Volleyballspiel mit bewaffneten Männern, während am Spielfeldrand die Kalaschnikows liegen. Verrückter kann Reisen kaum sein. Gleichzeitig erlebt er ein Land voller Gegensätze: Die Einschränkungen für Frauen sind allgegenwärtig, Gespräche mit ihnen fast unmöglich. Die Männer hingegen laden ihn immer wieder auf Tee oder eine kleine Mahlzeit ein – Gastfreundschaft hat hier trotz allem einen hohen Stellenwert.
Gewaltige Hochebenen begleiten ihn über den Pamir Highway von Tadschikistan bis nach Kirgistan, wo Jurten, Pferdeherden und grüne Almwiesen die schroffe Bergwelt ablösen. Über lange Strecken begegnen ihm kaum andere Fahrzeuge und er genießt diese seltenen Momente völliger Freiheit. Er vergisst zunehmend die Wochentage, fährt einfach ins Blaue und hält jeden Streckenabschnitt wie einen kleinen Schatz fest.
China verändert dieses Gefühl erneut. Die Reise ist bis ins kleinste Detail organisiert, ein Guide begleitet ihn auf der gesamten Strecke und spontane Abstecher sind kaum möglich. Gleichzeitig beeindrucken ihn die perfekt ausgebauten Straßen und die gewaltige Weite Tibets. Selten lagen Freiheit und Kontrolle so nah beieinander. Besonders die Begegnungen mit neugierigen Jugendlichen bleiben ihm in Erinnerung – Autogramme in Klassenbücher und gemeinsame Selfies inklusive.
Nach mehr als 5.000 Kilometern durch Asien erscheint endlich der Himalaya. Lhasa ist für Martin Leonhardt jedoch nur ein letzter Wegpunkt auf dem Weg nach Nepal. Die letzten Kilometer über das tibetische Hochland sind eisig kalt. Auf 5.200 Höhenmetern erreicht er den höchsten Pass der gesamten Reise und kämpft sich durch Schnee und Kälte bis zur Grenze.
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Nepal macht die Reise nicht einfacher: Monsunartige Regenfälle, Erdrutsche und knöcheltiefer Schlamm begleiten seine ersten Tage. Doch in den Bergen findet er eine besondere Ruhe. Mönche und Nonnen geben ihm eindrucksvolle Einblicke in ihr spirituelles Leben, während die höchsten Gipfel der Erde den Blick immer wieder nach oben ziehen. Die schönsten Momente liegen jedoch oft direkt am Wegesrand – in einer Begegnung, einer Tasse Tee oder an einem Ort, an dem er ungeplant länger bleibt.
Aus wenigen geplanten Wochen werden schließlich vier Monate. Nepal
entschleunigt Martin Leonhardt. Er verbringt mehr Zeit mit Menschen, besucht Klöster und Tempel und lässt sich auf
Nepal ist kein Ziel, das man einfach erreicht. Es ist ein
Ort, der verändert.
die kleinen Geschichten am Wegesrand ein. Erst beim Blick zurück auf den Mount Everest versteht er, dass das eigentliche Ziel dieser Reise nie der Berg war. Er war nur der Anlass aufzubrechen. Vielleicht bedeutet genau das „ Namaste“. Nepal, auch er verbeugt sich vor dir. t.
Von seinem außergewöhnlichen Roadtrip mit dem Motorrad – von Deutschland bis Kathmandu – erzählt Martin Leonhardt in seiner Live-Reportage beim kommenden Fernweh Festival in Erlangen.
„ Grenzenlos nach Nepal“
Die Live-Multivision von Martin Leonhardt ist zu sehen auf dem Fernweh Festival in Erlangen am 14.11.2026 um 11 Uhr in der Heinrich-Lades-Halle.
Infos und Tickets unter: www. fernwehfestival. com