The Voyager 05.02.2026 | Page 20

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MEIN REISETAGEBUCH

„ Ohne die Hochzeit unserer Freundin hätte ich den schönen Ort Chailly-en-Bière niemals kennengelernt.“

Julia Carp, Redakteurin

A ls die Einladung zur Hochzeit einer guten Freundin in unserem Briefkasten landete, waren meine Partnerin und ich sehr erfreut und aufgeregt. „ Wir gehen auf eine Hochzeit in Frankreich!“, freute sich meine Partnerin. „ Echt?“, fragte ich erstaunt und las weiter. „ Chailly-en-Bière – noch nie gehört, wo ist das denn?“. Nach einer kurzen Google-Recherche fanden wir heraus, dass diese kleine Gemeinde etwa eine Stunde südlich von Paris liegt und zum Arrondissement Fontainebleau gehört. Unsere Freundin und ihr( jetzt) Mann hatten die Hochzeit an diesem Ort geplant, weil die Großmutter des Bräutigams in der Gemeinde lebt und in ihrem Alter nicht mehr gut reisen kann. Süß!

Wir begannen direkt mit der Reiseplanung und stellten schnell fest, dass eine Anreise mit der Bahn von Köln aus sehr mühselig ist, da die kleine Gemeinde typischerweise nicht wirklich gut angebunden ist. Darum beschlossen wir, mit meinem Auto anzureisen und die etwa achtstündige Fahrt in Kauf zu nehmen, da uns ein Taxi oder ein Leihwagen von Paris aus zu teuer erschien. Zur Übernachtung buchten wir ein Airbnb, das nur wenige Gehminuten von der Kirche entfernt lag, in der die Trauung stattfand. Eine weitere Freundin, die extra aus Japan angereist war, schloss sich unserer Buchung an. Das war für unsere Airbnb-Hosts kein Problem. Mit ihnen nahmen wir vorab sehr freundlich und problemlos auf Französisch Kontakt auf. Um noch etwas vom Ort kennenzulernen, reisten meine Partnerin und ich direkt zwei Tage zuvor an. Nach der langen Autofahrt wurden wir in unserer Unterkunft freundlich empfangen. Chailly-en-Bière überraschte uns direkt mit seiner malerischen Landschaft und seinem rustikalen Charme, der uns an die Straßen und Häuser der Toskana erinnerte.

Am nächsten Tag erkundeten wir die nahegelegene Gemeinde Barbizon. Ein echter Geheimtipp! Dieser wunderschöne Ort ist geprägt von der Künstlerkolonie, die sich dort in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ansiedelte und arbeitete. Auch heute noch ist die Hauptstraße „ Rue du Barbizon“ mit Statuen und Gemälden geschmückt, die an die Geschichte der Gemeinde erinnern. Neben den Kunstateliers, den alten Buchhandlungen und den Bistros wurden wir auch auf eine kleine Patisserie aufmerksam. Dort gab es mit Abstand die besten Macarons, die ich je gegessen habe.

� Mit unseren Freundinnen besuchten wir am Vormittag des Hochzeitstages Chateaux Fontainebleau.

� Prunk von Schloss Fontainebleau: Die Galerie der Diana wurde in eine Bibliothek umgewandelt.

Am Abend traf die Freundin aus Japan ein. Am Tag der Hochzeit trafen wir uns vormittags mit weiteren Freundinnen in der nächstgrößeren Stadt Fontainebleau. Wir besuchten das dazugehörige Schloss, das seit 1981 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und bereits Napoleon Bonaparte als Residenz diente. Das imposante Gebäude wurde so zum Symbol der kaiserlichen Macht und war Austragungsort vieler offizieller Zeremonien. Wir waren begeistert vom Prunk und von der Geschichte, die sich uns hier eröffnete. Später fuhren wir zur Hochzeit unserer gemeinsamen Freundin.

Die Hochzeitsfeier war trotz aller Sehenswürdigkeiten das Highlight unserer Reise. Ohne ihre Trauung hätten wir diese beeindruckenden Orte vermutlich niemals

� In der benachbarten Künstlergemeinde Barbizon haben wir köstliche Macarons in einer Patisserie gefunden. kennengelernt. Neben Glückwünschen zur Hochzeit gab es bei der späteren Party darum zusätzlich Danksagungen an die Braut, dass sie uns an diesen schönen Ort, der nur unweit von Paris entfernt liegt, gebracht hat.

5 Dinge, die ich gelernt habe

1

Achtung beim Tanken! Als wir das erste Mal in Frankreich tanken mussten fiel uns auf, dass die meisten Tankstellen nicht zwischen Super E5 und E10 unterscheiden. Wer vor Ort Benzin tanken möchte, sollte also darauf achten, ob das eigene Auto E10 verträgt.

2

Mehr Tage einplanen Bei einer Einladung zu einer Hochzeit in einem anderen Land oder an einem unbekannten Ort, lohnt es sich sehr, mehr Tage einzuplanen und die Gelegenheit zu nutzen, diesen Ort genauer kennenzulernen.

3

Klein, aber oho! Diese Reise hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, auch die kleineren Gemeinden und Städte in der Umgebung von Weltmetropolen wie Paris genauer zu erkunden.

4

Sprachkenntnisse Fern vom Vorurteil, dass in Frankreich kein Englisch verstanden wird, kamen wir auch mit Englisch sehr gut zurecht. Wobei es auch Spaß gemacht hat, die eigenen Französischkenntnisse wieder ein bisschen zu trainieren und auszutesten.

5

Airbnb statt Hotel Wer auf Luxus und Komfort steht, mietet sich oft keine Airbnb-Unterkunft. Meine Erfahrungen zeigen mir jedoch, dass es oft gerade diese Unterkünfte sind, die einen mit dem Land und den Leuten vor Ort in Kontakt bringen.