„ Mein Ägäis-Abenteuer unter Segeln mit der „ Running on Waves“ war viel mehr als eine Kreuzfahrt.“
Gordon Below, Profi-Fotograf und Fototrainer www. derfotograf. net
E igentlich sollte es eine elegante kleine Segelreise werden. Zwei Tage Athen, drei Tage Schiff, etwas Sonne und ein bisschen Wind. Schöne Inseln, gute Gespräche und das Gefühl, lässig über die Ägäis zu gleiten. Dann kam Griechenland auf die Idee, kurz den Abenteuerregler hochzudrehen. Erst 25 Grad und Sonne – ein Athen wie aus dem Reiseprospekt. Dann der 1. Mai: ein Wetterumschwung, bei dem ich mich fragte, ob irgendwo jemand heimlich den falschen Kontinent eingeschaltet hatte. In Griechenland stürmte es und es war sogar von Schnee die Rede. Statt frühsommerlicher Wärme klang das eher nach Herbst als nach Ägäis. Und genau deshalb wurde diese Reise am Ende so besonders.
Schon beim ersten Schritt an Bord war klar, dass die „ Running on Waves“ kein gewöhnliches Kreuzfahrtschiff ist. Der Dreimaster fühlte sich eher an wie eine private Segelyacht – persönlich, gemütlich und voller Atmosphäre. Holz, Segel, das Knarren des Decks und dazu eine Crew, die vom ersten Moment an dafür sorgte, dass man sich willkommen fühlte.
� Die „ Running on Waves” ist keine klassische Kreuzfahrt,...
�... sondern eine Reise für Menschen, die Wind, Meer und das echte Unterwegssein erleben möchten.
Kaum hatten wir Piräus verlassen, wurden die Segel gesetzt. Der Motor schwieg, das Schiff glitt ruhig durchs Wasser und Athen verschwand langsam am Horizont. Genau in solchen Momenten merkt man, warum Segeln eine völlig andere Art des Reisens ist. Unsere Route führte zunächst nach Poros. Dort ging es durch kleine Gassen hinauf bis zum Clock Tower, vorbei an weißen Häusern und Blicken über das Meer. Die Insel wirkte entspannt und authentisch – weit weg vom hektischen Alltag. Gerade bei diesen Landgängen zeigte sich, wie angenehm die Größe der „ Running on Waves“ war. Das Schiff war überschaubar genug, um beweglich zu bleiben, und mit den motorisierten Tenderbooten kamen wir schnell dorthin, wo der Ausflug begann. Wir mussten nicht starr mit der Gruppe laufen, wenn wir lieber unseren eigenen Weg suchten. Treffpunkt vereinbaren, eine Uhrzeit ausmachen – und schon entstand an Land ein sehr freies Gefühl. Für mich ist das ein wichtiger Teil dieser besonderen Reisequalität: Wir reisen gemeinsam und können uns trotzdem privat fühlen.
Gegen spät Abends nahm die „ Running on Waves“ Kurs auf Monemvasia. Der Dreimaster arbeitete sich durch Wind und Wellen, während an Bord diese besondere Ruhe entstand, die man nur auf See erlebt. Am nächsten Tag empfing uns die mittelalterliche Felsenstadt mit Regen. Doch gerade das machte den Ort unvergesslich. Die meisten Besucher verschwanden, die Gassen wurden leer, das Kopfsteinpflaster glänzte nass im Licht und plötzlich wirkte Monemvasia fast magisch.
Zurück an Bord warteten gutes
� Der historische, blaue Uhrturm ist das weithin sichtbare Wahrzeichen der Insel Poros.
Essen, Gespräche und dieses angenehme Gefühl von Gemeinschaft, das auf kleinen Schiffen ganz automatisch entsteht. Genau das machte die Reise so besonders: Man fühlte sich nie anonym, sondern eher wie Teil einer kleinen Welt auf dem Meer. Vieles konnten wir wetterbedingt gar nicht nutzen – Fahrräder, Wassersport oder Badebuchten entlang der Route. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, etwas zu verpassen. Im Gegenteil: Diese Reise hat vor allem gezeigt, wie schön es sein kann, wenn nicht alles perfekt planbar ist.
Die „ Running on Waves“ hatte uns in kurzer Zeit ziemlich viel gegeben: Athen, Poros, Nachtfahrt, Monemvasia, Wind, Wetter – und dieses seltene Gefühl, wirklich unterwegs zu sein. Und wer glaubt, Segeln sei nur etwas für alte Seebären mit wettergegerbtem Blick, dem sei gesagt: Eine warme Jacke reicht. Ein bisschen Neugier hilft. Der Rest kommt mit dem Wind. Interesse geweckt? Hier kannst du dir noch mehr Bilder von meiner Reise anschauen.
Mein Fazit: Die Reise mit der „ Running on Waves“ war trotz – oder vielleicht gerade wegen – des wechselhaften Wetters ein echtes Erlebnis. Statt perfekter Hochglanzmomente gab es authentische Eindrücke, besondere Begegnungen und dieses wunderbare Gefühl von Freiheit unter Segeln. Der Dreimaster verbindet Komfort mit echter Seefahrt und schafft eine persönliche Atmosphäre, die lange in Erinnerung bleibt.
5 Dinge, die ich gelernt habe
1
Schlechtes Wetter kann eine Reise besser machen Nicht jeder Moment muss sonnig und perfekt sein. Gerade Regen, Wind und raue Bedingungen haben diese Reise besonders intensiv gemacht.
2
Ein kleines Schiff verändert alles Die persönliche Atmosphäre an Bord machte den Unterschied. Statt Anonymität entstand echtes Bordgefühl.
3
Segeln entschleunigt sofort Sobald der Motor verstummt und nur noch Wind die Segel trägt, verändert sich automatisch das eigene Tempo.
4
Leere Orte erzählen die besseren Geschichten Monemvasia im Regen war eindrucksvoller als jede überfüllte Postkartenkulisse.
5
Manchmal bleibt das Schönste unfertig Dass wir wegen des Wetters nicht alles erleben konnten, machte die Reise nicht schlechter – sondern weckte die Lust zurückzukommen.