The Voyager 15.10.2026 | Page 18

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MEIN REISETAGEBUCH

„ Eine Woche barfuß, das Meer vor Augen und nachts nur den Sternenhimmel über mir – so fühlt sich Freiheit an.“

Anja Bethge, Redaktionsmanagerin

I ch liebe es, auf dem Wasser unterwegs zu sein. Wenn ich irgendwo am Meer oder an einem großen See bin, gehört eine Bootstour für mich einfach dazu. Kein Wunder also, dass die „ Blaue Reise“ schon ewig auf meiner Bucket List stand. Ende August war es endlich so weit: Eine Woche mit einem traditionellen Motorsegler, einer sogenannten Gulet, entlang der lykischen Küste. Eine Woche Wasser, Sonne und Wind. Und was soll ich sagen? Es war einfach magisch!

Gestartet sind wir in Fethiye. Statt Hotelzimmer bezogen wir eine einfache Kabine, statt Pool hatten wir das Mittelmeer und statt Buffet einen Koch, der uns aus seiner kleinen Kombüse täglich mit türkischen Köstlichkeiten verwöhnte. Für unsere Reise hatten wir bewusst die Kekova-Route gewählt: Natur und einsame Buchten statt großer Ferienorte.

Jeden Tag ankerten wir in zwei oder drei neuen Buchten. Kristallklares, türkisfarbenes Wasser, schnorcheln, mit dem SUP lospaddeln, zu kleinen Stränden schwimmen oder einfach immer wieder vom Schiff ins Meer springen. Der letzte Stopp des Tages war gleichzeitig unser Schlafplatz – und jeder war schöner als der vorherige.

� Frühstück gab es meist während der Fahrt – und natürlich erst nach dem ersten Sprung ins Meer.

� Mit ihren tollen Landschaften ist die lykische Küste zwischen Fethiye und Antalya wie gemacht für eine Blaue Reise.

Einmal übernachteten wir vor Gemiler Adası, der St.-Nikolaus-Insel. Mit dem Beiboot ging es an Land und anschließend vorbei an byzantinischen Ruinen hinauf zum höchsten Punkt. Die Aussicht über die Küste im Abendlicht: spektakulär.

Am meisten verzaubert haben mich aber die Buchten rund um Kekova. Abends lag das Wasser spiegelglatt vor uns, morgens stellte ich mir tatsächlich den Wecker auf 6.30 Uhr, um den Sonnenaufgang nicht zu verpassen. Diese Stille, dieses Licht, das ruhige Meer – unglaublich. An der berühmten versunkenen Stadt von Kekova fuhren wir ebenfalls vorbei. Ehrlich gesagt weniger spektakulär als erwartet. Viel besser gefiel uns Simena, das heutige Kaleköy, das wir am späten Nachmittag fast ohne Tagesausflügler erkunden konnten.

Auch die Hafenstadt Kaş war einen Landgang wert. Kleine Gassen, Bougainvilleen, schöne Restaurants und eine wunderbar entspannte Atmosphäre – ganz anders als viele klassische Ferienorte an der türkischen Riviera.

� Kajak und SUP standen uns jederzeit zur Verfügung. Die ruhigen Buchten rund um Kekova waren dafür perfekt.

� Übernachten an Deck war eines der Highlights: Diese beiden haben den Sonnenaufgang allerdings verpasst.

An Bord waren wir 16 Reisende und vier Crewmitglieder. Vorher hatte ich durchaus Bedenken, eine ganze Woche mit fremden Menschen auf engem Raum zu verbringen. Doch unsere deutschitalienische Truppe passte wunderbar zusammen. Gegessen wurde gemeinsam an einer großen Tafel, abends gab es auch mal einen Rakı, Musik wurde aufgedreht und getanzt.

Unsere einfachen Kabinen nutzten wir kaum. Ende August war es dort trotz stundenweiser Klimaanlage einfach zu warm. Also verlegten wir unseren Schlafplatz kurzerhand nach draußen: Kissen und Decken aufs Sunbed – und sieben Nächte lang schliefen wir unter dem Sternenhimmel. Nicht ganz so komfortabel wie ein Hotelbett, dafür aber unvergesslich.

Überhaupt war diese Reise unglaublich entschleunigend. Schon nach drei Tagen hatte ich das Gefühl, seit Ewigkeiten unterwegs zu sein. Erst bei unserer anschließenden Woche im Hotel wurde mir bewusst, warum diese Reise für uns als Familie so unglaublich entspannt gewesen war: An Bord mussten wir kaum Entscheidungen treffen. Niemand diskutierte über Pool oder Strand, Essenszeiten oder das Tagesprogramm. Es gab nur das Schiff und das Meer. Wer schwimmen wollte, sprang ins Wasser. Wer lesen wollte, suchte sich einen Platz an Deck. Und wenn aus der Kombüse die Glocke ertönte, war das Essen fertig. Vielleicht war genau das der größte Luxus dieser Reise: eine Woche lang einfach nur sein zu dürfen.

� Lieblingsplatz: nach dem Frühstück noch einen Kaffee genießen und sich den Wind um die Nase wehen lassen.

� In der Karemlik- Bucht konnten wir sogar

Schildkröten im klaren Wasser beobachten.

5 Dinge, die ich gelernt habe

1

Nicht an Plänen festhalten Route und Stopps können sich je nach Wetter und Seegang ändern. Einfach darauf einlassen – die nächste Bucht ist meistens genauso schön.

2

Reisetabletten einpacken Auch wer normalerweise nicht see- krank wird, kann überrascht werden. Die ersten beiden Tage waren bei uns ziemlich wackelig.

3

Langeweile gibt es auf dem Wasser nicht Ich dachte vorher, eine Woche auf einem

Schiff könnte irgendwann eintönig werden. Das Gegenteil war der Fall: Jede Bucht war anders und selbst beim Nichtstun gab es immer etwas zu entdecken.

4

Weniger Gepäck ist mehr Die Kabinen sind klein. Reisetasche statt Hartschalenkoffer – Badesachen, wenige Sommeroutfits und ein leichte Jacke oder Zip-Hoodie reichen völlig aus.

5

Unbedingt an Deck schlafen Unter dem Sternenhimmel einschlafen und morgens mitten in einer stillen Bucht aufwachen – für mich eines der schönsten Erlebnisse der gesamten Reise.