The Voyager 17.09.2026 | Page 24

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GEORGIEN Schneebedeckte Gipfel, unerschütterliche Hoffnung

Georgien – ein Land voller Kontraste, beeindruckender Landschaften und herzlicher Menschen. Stefan Pompetzki war dort unterwegs und kehrte mit besonderen Eindrücken und Begegnungen zurück. Test & Bilder: Stefan Pompetzki

E s gibt Länder, die man bereist. Und es gibt Länder, die einen verändern. Georgien gehört für mich zweifellos zur zweiten Kategorie. Eingebettet zwischen Europa und Asien, umrahmt von den mächtigen Gipfeln des Großen Kaukasus und den sanften Weinbergen Kachetiens, entfaltet dieses Land eine Schönheit, die mich umgehauen hat. Es ist ein Land voller Kontraste – wild und sanft zugleich, uralt und überraschend modern, stolz und herzlich. Schon bei der Ankunft

ZUR PERSON

Der ehemalige Redakteur Stefan Pompetzki hat zwei Leidenschaften: Das Reisen und die Fotografie. Zwei Dinge, die sich hervorragend miteinander verbinden lassen. Doch nicht alle Menschen können Reisen. Darum ist sich Stefan seines Privilegs durchaus bewusst. � stefan-pompetzki. com am Flughafen Tbilisi( Tiflis) spürte ich, dass Georgien mehr ist als ein Reiseziel. Später dann, wenn man aus der Großstadt heraus ist, riecht es nach Bergkräutern, frischem Brot und nach Freiheit. Ja, Freiheit kann man riechen, ich empfand es jedenfalls so.

Hinter jeder Kurve eröffnen sich neue Landschaften: tiefe Schluchten, rauschende Flüsse, grüne Almen und schneebedeckte Gipfel, die wirken, als ob sie das Land und die Menschen bewachen würden. Wer einmal früh morgens in Swanetien den Nebel zwischen den mittelalterlichen Wehrtürmen aufsteigen sah oder auf einer Passstraße den Blick über endlose Bergketten schweifen ließ, versteht, warum viele Georgien als eines der schönsten Länder Europas bezeichnen.

Georgien ist vor allem: herzlich. Auf eine Art, die bleibt.

„ Die Berge lehren uns Demut“, sagte mir Georgi in Swanetien( gefühlt heißt in Georgien jeder zweite Mann Georgi). Ein Zug an seiner Zigarette. „ Sie erinnern uns daran, dass wir nur Gäste auf

dieser Welt sind.“ Dieser Satz begleitet mich bis heute. Tatsächlich scheint in Georgien die Natur den Takt des Lebens vorzugeben. Sie zwingt niemanden zur Eile. Stattdessen lädt sie dazu ein, stehen zu bleiben, durchzuatmen und den Moment bewusst wahrzunehmen.

Doch nicht nur die Landschaft macht Georgien so besonders. Es sind vor allem die Menschen. Gastfreundschaft ist dort keine Floskel, sondern gelebte Kultur. Kaum sitzt man in einem Dorf auf einer Bank oder fragt nach dem Weg, wird man auf einen Kaffee, ein Glas Wein oder gleich zu einem ganzen Festmahl eingeladen. Fremde werden wie Freunde behandelt.

In Kvareli, der georgischen Weinhauptstadt im Osten des Landes, wurde ich zu einer traditionellen Supra, einem georgischen Festessen eingeladen. Der Tamada, der Zeremonienmeister, erhob sein Glas und sagte: „ Ein Gast ist ein Geschenk Gottes.“ Dieser Satz ist in Georgien keine Redewendung – er ist eine Haltung.

Stundenlang saßen wir zusammen, schlugen uns die Bäuche mit Brot, Käse, Chinkali und Chatschapuri voll, lachten, sangen und hörten alte Geschichten. Obwohl wir nicht dieselbe Sprache sprachen, verstanden wir uns mit Händen und Füßen. Herzlichkeit braucht keinen Übersetzer. Und wenn es ganz schwierig wird hilf eine Übersetzungsapp.

Reisen verändern den Blick auf die Welt.

Diese Offenheit beeindruckte mich umso mehr, wenn man ein wenig die Geschichte des Landes kennt. Georgien blickt auf Jahrhunderte voller Kriege, Fremdherrschaft und politischer Umbrüche zurück. Bis heute befindet sich das Land in einer schwierigen Lage. Die Konflikte um Abchasien und Südossetien sind nach wie vor ungelöst, ein Teil des international anerkannten Staatsgebiets steht weiterhin unter russischer Kontrolle.

Gleichzeitig ringt Georgien um seinen politischen Kurs zwischen europäischer Annäherung und dem Einfluss Russlands. 80 Prozent der georgischen Bevölkerung strebt nach Europa, das spürt man. Schließlich befindet sich das Land geradezu auf dem Balkon Europas. Das Parlament hingegen steht für eine Annäherung nach Russland.

Ich war geschockt, als ich in der jüngeren Vergangenheit die Nachrichten über die politische Entwicklung in Georgien verfolgte. Demonstrationen mit Gewalt auf dem Rustaveli-Prospekt, der Prachtstraße von Tbilisi. Überwiegend junge Menschen mit georgischen und europäischen Fahnen. Sie wünschen sich Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und eine Zukunft als Teil Europas.

Die innenpolitischen Spannungen und die gesellschaftlichen Debatten über den richtigen Weg für das Land bleiben aber bestehen. Eine meiner Gastmütter brachte es auf den Punkt: „ Wir lieben unsere Traditionen. Aber wir möchten selbst entscheiden, wie unsere Zukunft aussieht.“

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Dieser Wunsch nach Selbstbestimmung ist überall spürbar. Trotz aller Unsicherheiten begegnen die Menschen dem Alltag mit bemerkenswertem Optimismus. Vielleicht liegt gerade darin die größte Stärke Georgiens: Nicht im Verdrängen der Probleme, sondern im unbeirrbaren Glauben daran, dass es besser werden kann.

Ein letzter Blick auf die schneebedeckten Gipfel des Kaukasus. Mir wird bewusst, dass Reisen manchmal mehr hinterlassen als Erinnerungen. Sie verändern den Blick auf die Welt. Georgien hat mich gelehrt, dass wahre Schönheit nicht nur in atemberaubenden Landschaften liegt. Sie zeigt sich in der Offenheit der Menschen, in Geschichten voller Hoffnung und in dem Mut eines Landes, trotz aller Herausforderungen seinen eigenen Weg zu gehen. Oder, wie mir eine andere Gastmutter beim Abschied sagte: „ Wer Georgien einmal im Herzen trägt, findet immer einen Weg zurück.“

Trotz politischer Unruhe in den Jahren 2024 und 2025 ist das Land inzwischen stabil, gut bereisbar und offen wie eh und je. Meine Multivision beim Fernweh Festival in Erlangen ist persönlich, ehrlich und mit einem Augenzwinkern erzählt. Ein Vortrag, der Fernweh macht – auch bei denen, die eigentlich gar nicht wussten, dass sie Georgien unbedingt sehen wollen.

Georgien“

Die Live-Multivision von Stefan Pompetzki ist zu sehen auf dem Fernweh Festival in Erlangen am 15.11.2026 um 11 Uhr in der Heinrich-Lades-Halle.

Infos und Tickets unter: www. fernwehfestival. com