The Voyager 19.03.2026 | Page 24

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MEIN REISETAGEBUCH

„ Zwischen überfüllter Küste und stillen Bergen habe ich in Montenegro mein Sommerglück gefunden.“

Anja Bethge, Redaktionsmanagerin

I ch liebe den Mittelmeerraum. Dieses Licht, das Salz auf der Haut, das Lebensgefühl. Doch mit schulpflichtigem Kind sind wir an die Sommerferien gebunden – und die letzten Jahre haben gezeigt: Im Sommer ist es oft schlicht zu voll, zu heiß, zu teuer. Kein Wunder, dass „ Coolcation“ im Trend liegt. Und doch zog es uns im vergangenen August nach Montenegro.

Mit dem Auto ging es von München über Kroatien bis zur Bucht von Kotor. Schon die Ankunft war spektakulär. Die fjordähnliche Bucht, seit 1979 UNESCO-Weltnaturerbe, ist landschaftlich ein Traum. Doch meine Befürchtung bestätigte sich: Es war voll. Trotz akribischer Planung – ich hatte extra darauf geachtet, dass an mindestens einem Tag kein Kreuzfahrtschiff anlegt – staute sich der Verkehr rund um die Altstadt. Kotor ist wunderschön, keine Frage. Aber im August eine Herausforderung. Also wechselten wir die Perspektive – aufs Boot. Vorbei an Perast, mit Stopp auf „ Maria vom Felsen“ und einem Sprung in die Blaue Grotte. Vom Wasser aus wirkt die Bucht fast majestätisch, und für ein paar Stunden waren Stau und Menschenmassen vergessen. Ich liebe dieses Gefühl von Freiheit, Weite und Leichtigkeit auf dem Meer.

� Wenn du zur Festung von Kotor hinaufsteigst, kannst du beeindruckende Ausblicke genießen.

� Unsere Unterkunft bei Ulcinj war ein Glücksgriff: nur Zikaden, Olivenbäume und weiter Meerblick.

Von Kotor aus ging es in den Lovćen-Nationalpark. Die Serpentinenstraße zum Njegoš-Mausoleum ist spektakulär. 461 Stufen führen durch einen Tunnel hinauf, oben wartet eine 360-Grad-Aussichtsplattform mit überwältigendem Blick über Berge und Küste. Wandern wäre im Nationalpark herrlich – nur nicht bei 30 Grad. Das merkten wir spätestens beim Aufstieg zur Festung von Kotor: 1.350 Stufen in der Hitze des späten Nachmittags. Mega anstrengend – aber der Blick über die Bucht war jede Schweißperle wert.

Da sich entlang der Küste oft Liege an Liege reiht, ließen wir Orte wie Budva aus und fuhren weiter nach Ulcinj, die südlichste Stadt des Landes. Viel von der Altstadt habe ich allerdings nicht gesehen – unsere Unterkunft war einfach zu schön. Das „ Holiday Park Olive Tree“ lag erhöht über der Stadt, umgeben von alten Olivenhainen, mit weitem Meerblick. Ein echter Glücksgriff. Schlichte Bungalows, sensationelles Frühstück, abends gegrillter Fisch. Ruhe statt Strandtrubel. Der „ Stadtstrand“, den mein Mann beim Joggen entdeckte, bestätigte unsere Entscheidung: Liege an Liege. Also blieben wir meist „ oben“ beim Pool mit Aussicht.

Ganz ohne Strand ging es dennoch nicht. Zum Glück waren wir mit dem Auto flexibel. Also machten wir uns auf zum Velika Plaža, dem Long Beach, nur wenige Kilometer entfernt. Ein 13 Kilometer langer Sandstrand – und überraschend weitläufig. Am Aloha Beach fanden wir feinen Sand, flaches Wasser und angenehm viel Platz. Eine leichte Brise, Kitesurfer am Horizont – ein entspannter Tag am Meer.

� Die kurvenreiche Ringstraße im Durmitor- Nationalpark ist ein echtes Abenteuer.

� Blick vom Aussichtspunkt Ćurevac auf die Tara-

Schlucht, eine der weltweit tiefsten Schluchten.

Zum Abschluss ging es ins Landesinnere nach Žabljak im Durmitor-Nationalpark – für mich das Highlight der Reise. Unser kleines Ferienhaus im Bergstil war perfekter Ausgangspunkt. Wir hatten nur zwei Nächte, also effektiv einen vollen Tag, und den wollten wir auskosten. Früh am Morgen ging es zum Crno Jezero, dem Schwarzen See. Eingebettet zwischen dichten Wäldern spiegelt sich das Durmitor-Massiv im dunklen Wasser. In etwa einer bis anderthalb Stunden kann man ihn auf einer einfachen Strecke umrunden.

Danach starteten wir auf die Panoramastraße P14, die berühmte Durmitor-Ringstraße. Wir folgten der Empfehlung, die Route entgegen des Uhrzeigersinns ab Žabljak zu fahren. Rund 80 Kilometer, größtenteils asphaltiert, aber schmal und kurvenreich – besonders in höheren Lagen wird Gegenverkehr zur kleinen Herausforderung. Die reine Fahrzeit beträgt etwa drei Stunden, doch wir waren den ganzen Tag unterwegs. Wir stoppen mehrfach und legten auch eine kleine Wanderung zum Aussichtspunkt Ćurevac ein, wo man einen tollen Panoramablick auf die Tara-Schlucht hat. Die kurvenreiche Ringstraße ist ein echtes Abenteuer mit grandioser Natur und ständig wechselnden Ausblicken auf Hochflächen, Schluchten und Berge. Wildpferde am Straßenrand, Schafe auf der Fahrbahn – alles wirkte rau und ursprünglich. Hier ist Montenegro weit, still und kraftvoll.

Mein Fazit: Die Küste ist im Sommer voll und teuer. Aber das Landesinnere? Ein Traum aus Bergen, Seen und Weite. Und genau dort schlägt für mich das wahre Herz Montenegros.

Meine 5 Tipps für Montenegro

1

Nationalpark Lovćen

In der Nähe von Kotor liegt der Nationalpark Lovćen mit dem bekannten Njegoš-Mausoleum, in dem Fürstbischof Petar II. begraben ist. Das eigentliche Highlight ist jedoch die 360-Grad-Aussichtsplattform.

Bucht von Kotor Entdecke die Bucht von Kotor

2 per Boot! Wir haben mit „ Montenegro Submarine“ eine dreistündige Tour unternommen und dabei die Küste sowie die Bucht von Kotor aus einer völlig neuen

Perspektive erlebt.

3

Skadar-See

Plane Zeit für den größten See der Balkanhalbinsel ein. Fahre von Virpazar die Panoramastraße entlang und genieße die Ruhe dieser ursprünglichen Region. Highlight: Die Flussschleife von Rijeka Crnojevića.

Long Beach( Velika Plaža) Auch wenn kleine Buchten oft

4

charmanter wirken, bietet der 13 Kilometer lange Sandstrand an der Grenze zu Albanien viel Platz, gute Infrastruktur mit Beachbars und selbst im August angenehm entspannte Abschnitte.

5

Durmitor-Nationalpark

Die Panoramastraße P14, auch Durmitor-Ringstraße, ist eine der beeindruckendsten Bergstraßen Europas. Wer nicht alles fahren möchte, sollte zumindest den südlichen Abschnitt bis zum Sedlo-Pass fahren.