„ Kurven, Schotter und endlose Bergpanoramen – die Pyrenäen sind wie gemacht für ein Abenteuer auf zwei Rädern.“
Gordon Below, Profi-Fotograf und Fototrainer
www. derfotograf. net
A ls ich mich für die Honda Adventure Roads 2026 anmeldete, war für mich schnell klar: Ich wollte nicht einfach ins Flugzeug steigen. Während die meisten Teilnehmer erst in Spanien auf ihre Motorräder warteten, begann mein Abenteuer schon fast 2.000 Kilometer früher. Mit meiner eigenen Honda Africa Twin fuhr ich quer durch Frankreich und Spanien Richtung Katalonien. Kleine Dörfer, kurvige Landstraßen, alte Burgen und einsame Bergpässe machten die Anreise bereits zu einer Reise für sich. Als ich schließlich das Kloster Mon Sant Benet erreichte, hatte ich das Gefühl, längst angekommen zu sein – nicht nur geografisch, sondern auch mental.
Der offizielle Auftakt war trotzdem etwas ganz Besonderes. Vor dem Hotel standen die Motorräder geschniegelt und geschniegelt in einer Reihe, jedes mit dem Namen seines Fahrers versehen. Natürlich suchte jeder sofort „ seine“ Maschine. Am Abend führte uns ein Spaziergang durch das historische Kloster zu einer Gartenanlage, in der die Begrüßung stattfand. Fast fühlte es sich wie eine Hochzeit an: Honda-Fahnen säumten den Weg, Stuhlreihen standen unter alten Bäumen und überall herrschte diese besondere Mischung aus Vorfreude und Aufregung. Nach der Einweisung wurden die Navigationsgeräte montiert – die letzten Handgriffe, bevor das eigentliche Abenteuer begann.
� Start der Tour bei Barcelona: Im Hintergrund das Montserrat- Massiv, eine der markantesten Bergsilhouetten Kataloniens.
� Erstes Kennenlernen der Honda vor der Kulisse des ehemaligen
Klosters Sant Benet de Bages.
Am nächsten Morgen rollten wir endlich los. Ich war nicht nervös, sondern einfach neugierig. Zuhause fahre ich eine Africa Twin mit DCT, nun durfte ich erstmals die neue Honda Transalp mit E-Clutch-System fahren. Schon nach wenigen Kilometern war klar: Dieses System verbindet das Beste aus zwei Welten. Man schaltet selbst, bekommt aber genau dann Unterstützung, wenn man sie braucht – besonders im Gelände ein echter Vorteil.
Der erste Tag diente vor allem dazu, Vertrauen aufzubauen. Wälder, Schotterwege und einsame Pisten wechselten sich ab. Oft fuhr ich minutenlang allein durch die Landschaft, bevor hinter der nächsten Kurve wieder einer der anderen Teilnehmer auftauchte. Im Nasser Camp vertieften wir das Gelernte bei Offroad-Übungen mit Sand, Schotter, Bremsmanövern sowie steilen Auf- und Abfahrten. Mit jeder Übung wuchs das Vertrauen – in das Motorrad, aber auch in die eigenen Fähigkeiten.
� Der türkisblaue Stausee Embalse de Mediano gehörte zu den landschaftlichen Höhepunkten in den spanischen Pyrenäen.
� Die Tour führte auch durch die legendäre Hérault- Schlucht. Zu ihren Wahrzeichen zählt die mittelalterliche Steinbrücke Pont du Diable.
Am zweiten Tag wurde es ernst. Die einfachen Schotterstraßen waren verschwunden. Stattdessen warteten steinige Bergpisten, tiefe Spurrinnen, lose Felsen und steile Auffahrten in den Pyrenäen. Jetzt zeigte sich, wie wichtig die Übungen vom Vortag gewesen waren. Konzentration war permanent gefragt, gleichzeitig boten sich Ausblicke, die jede Anstrengung vergessen ließen. Tief unter uns lagen grüne Täler, während sich die Bergketten bis zum Horizont zogen.
Nicht alles verlief ohne Zwischenfälle. Eine Teilnehmerin brach sich nach einem Sturz den Fuß – eine Erinnerung daran, dass Abenteuerfahren immer auch Respekt verlangt. Umso beeindruckender war der Zusammenhalt der Gruppe. Fremde waren innerhalb weniger Tage zu Freunden geworden. Jeder half, motivierte und fieberte mit den anderen mit. Genau das machte den Spirit der Honda Adventure Roads aus.
Der letzte Fahrtag führte uns zurück auf befestigte Straßen und über die Grenze nach Frankreich. Eigentlich hätte man meinen können, jetzt würde es entspannter werden. Doch dichter Sonntagsverkehr, Wohnmobile, hohe Temperaturen und frisch reparierte Straßen mit losem Splitt verlangten noch einmal höchste Aufmerksamkeit. Nicht spektakulär – aber durchaus anspruchsvoll.
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Am Ziel angekommen schloss sich für mich ein Kreis. Einige Tage zuvor hatte ich an genau diesem See gesessen, als dichter Nebel die Berge verhüllte. Nun lag die Landschaft im strahlenden Sonnenschein vor uns. Ein letztes Gruppenfoto, ein letzter Händedruck und ein letzter Blick auf das Motorrad, das in den vergangenen Tagen zu einem echten Begleiter geworden war.
Während viele Teilnehmer direkt zum Flughafen aufbrachen, wartete meine eigene Africa Twin bereits auf mich. Bevor ich die Heimreise antrat, machte ich noch einen kurzen Halt an einer kleinen Kirche oberhalb der Berge. Bei meiner Ankunft hatte der Nebel jede Aussicht verborgen – jetzt lag die gesamte Landschaft vor mir. Ein schöneres Ende hätte ich mir kaum vorstellen können.
Am nächsten Morgen begann die 1.300 Kilometer lange Heimreise nach Deutschland. Fünfzehn Stunden später war ich wieder zu Hause. Der Staub verschwand irgendwann von der Motorradkleidung. Die Erinnerungen bleiben. Wer mehr Bilder sehen möchte, kann sich gerne in meiner Galerie umsehen.
Mein Fazit: Honda Adventure Roads 2026 war für mich weit mehr als ein Motorradevent. Es war eine Reise voller beeindruckender Landschaften, neuer Freundschaften und persönlicher Herausforderungen – und eine Erinnerung daran, dass die schönsten Abenteuer oft schon lange vor dem eigentlichen Start beginnen.