The Voyager 20.08.2026 | Page 24

entdecken 24

BACKPACKING-ABENTEUER 449 Tage Westafrika

Eigentlich waren nur sechs Wochen geplant. Doch aus einer Rucksackreise wurde das größte Abenteuer seines Lebens – Fabian Gebert und seine außergewöhnliche Reise durch Westafrika. Text & Bilder: Fabian Gebert

I m Februar 2020 brach Fabian Gebert zu einer sechswöchigen Rucksackreise durch Westafrika auf –

ZUR PERSON

Fabian Gebert( 30) machte nach seiner Ausbildung zum Metallbauer seine Leidenschaft zum Beruf und arbeitet heute in den Bereichen Presse-, Konzert- und Reisefotografie. Seine große Begeisterung für Afrika führte ihn auf zahlreiche Reisen über den Kontinent.

� @ fabiangebert � fabian-gebert. de von Benin entlang der Küste bis nach Senegal. Doch dann veränderte die Corona-Pandemie alles. Geschlossene Grenzen machten aus der geplanten Reise ein 449 Tage dauerndes Abenteuer voller Herausforderungen, unerwarteter Wendungen und unvergesslicher Begegnungen.

Seine Reise begann in Benin, in einem außergewöhnlichen Dorf, das vollständig auf Stelzen über einem See errichtet wurde. Mehrere Wochen lebte er dort mitten im Alltag der Menschen und erhielt Einblicke in eine Welt, die den meisten Besuchern verborgen bleibt. Er begegnete dem Voodoo- Glauben, lernte eine oft missverstandene Religion aus einer völlig neuen Perspektive kennen und durfte sogar an einer traditionellen Zeremonie teilnehmen – eine Erfahrung, die ihn tief beeindruckte.

� Fabian unterwegs in einem Dorf in Westafrika – authentische Begegnungen mit den Menschen vor Ort standen im Mittelpunkt seiner Reise.

Die Menschen Westafrikas haben mich mehr geprägt als jede Landschaft.

Anschließend führte ihn seine Reise nach Togo. In einem kleinen Dorf erlebte er hautnah, wie ein Leben ohne Strom, fließendes Wasser oder moderne Infrastruktur aussieht. Der Alltag der Menschen war geprägt von harter körperlicher Arbeit, Einfachheit und einem starken Gemeinschaftsgefühl. Trotz der schwierigen Lebensbedingungen begegneten sie ihm mit einer Offenheit, Herzlichkeit und Gastfreundschaft, die ihn nachhaltig berührten.

Die nächste Station war Sierra Leone. Dort erhielt Fabian Gebert die seltene Gelegenheit, eine Welt kennenzulernen, die kaum ein Reisender zu Gesicht bekommt. Mehrere Tage begleitete er einen Minenarbeiter in eine Goldmine und erlebte aus nächster Nähe, wie mühsam und gefährlich Gold

in aufwendiger Handarbeit gewonnen wird. Es war ein faszinierender, zugleich aber auch nachdenklich stimmender Einblick in eine Realität, die weit entfernt vom Alltag der meisten Menschen liegt.

Dann veränderte die Corona-Pandemie alles. Auch Westafrika blieb nicht verschont: Grenzen wurden geschlossen, der öffentliche Verkehr eingestellt und Reisen mit Bus oder Auto nahezu unmöglich. Nach 14 Tagen Quarantäne in Dakar, der Hauptstadt Senegals, wurde ihm klar, dass Abwarten keine Option war.

In dieser Zeit lernte er Patrick aus Österreich kennen. Gemeinsam beschlossen sie, ihre Reise auf völlig neue Weise fortzusetzen: Sie kauften Fahrräder und machten sich auf den Weg. Was zunächst nur als Notlösung gedacht war, entwickelte sich zu einem der größten Abenteuer ihres Lebens. Rund 5.500 Kilometer legten sie quer durch Senegal zurück – über staubige Pisten, einsame Straßen und durch kleine Dörfer, die kaum ein Tourist besucht.

Unterwegs erlebte Fabian Gebert eine Gastfreundschaft, die ihn bis heute beeindruckt. Immer wieder wurden die beiden spontan zum Essen eingeladen, erhielten einen Schlafplatz oder

� Mitten auf einer Müllhalde erhielt Fabian Gebert seltene Einblicke in das Leben der Menschen und die Realität von Armut und Kinderarbeit. wurden von Menschen unterstützt, die selbst nur wenig besaßen. Diese Begegnungen offenbarten ihm eine Seite Westafrikas, die in keinem Reiseführer zu finden ist.

Eine der prägendsten Erfahrungen machte er jedoch Monate später, als sie auf der Suche nach einer Unterkunft waren. Ein Mann lud sie ein, bei seiner Familie zu übernachten. Erst vor Ort stellten sie fest, dass deren Zuhause mitten auf einer riesigen Müllhalde lag. Aus einer geplanten Übernachtung wurden vier Wochen, in denen sie den Alltag der Familien hautnah miterlebten. Sie erfuhren, warum Kinderarbeit für viele Menschen überlebenswichtig ist und wie schwer es ist, dem Kreislauf aus Armut und fehlenden Perspektiven zu entkommen. Diese Zeit veränderte seinen Blick auf viele Dinge nachhaltig.

https:// youtu. be / SDcsCJ5rzOk? si = jAzoMpEtyJh5UI8c

Natürlich war die Reise nicht nur von bewegenden Begegnungen geprägt – sie wurde auch immer wieder abenteuerlich und gefährlich. Nach einer Nacht im Zelt an einem Fluss öffneten Fabian Gebert und sein Reisebegleiter eines Morgens verschlafen den Reißverschluss ihres Zeltes und blickten direkt auf ein riesiges Krokodil, das unmittelbar vor dem Eingang lag. Mit weit geöffnetem Maul schien es geduldig auf seine Gelegenheit zu warten. In solchen Momenten wurde ihnen bewusst, wie klein der Mensch angesichts der Natur sein kann.

Nach 15 Monaten voller Geschichten, Begegnungen und außergewöhnlicher Erlebnisse stand für Fabian Gebert fest, dass diese Reise nicht einfach in seinem Archiv verschwinden durfte. Zu viele Menschen, Schicksale und einzigartige

Westafrika hat meinen Blick auf die Welt für immer verändert.

Augenblicke hatten ihn begleitet. Er begann, seine Bilder und Erlebnisse zu einer Multivisionsshow zusammenzustellen – mit viel Zeit, Leidenschaft und unzähligen Stunden Arbeit.

Heute erzählt Fabian Gebert diese Geschichte auf der großen Leinwand und nimmt sein Publikum mit auf eine außergewöhnliche Reise durch Westafrika – eine Reise voller Kontraste, Überraschungen, Humor und bewegender Begegnungen. Besonders freut er sich darauf, diese Multivision auch beim kommenden Fernweh Festival präsentieren zu dürfen.

Backpacking-Abenteuer Westafrika“

Die Live-Multivision von Fabian Gebert ist zu sehen auf dem Fernweh Festival in Erlangen am 14.11.2026 um 14 Uhr in der Heinrich-Lades-Halle.

Infos und Tickets unter: www. fernwehfestival. com