2026 wird Reisen emotionaler, bewusster – und überraschend vielseitig. Während Fans weltweit zu Filmkulissen pilgern, entdecken andere das Langsamwerden als Luxus, suchen stille Natur als Kraftquelle oder erleben ganze Regionen bequem vom Fluss aus. Vier Trends, die zeigen: Wegfahren ist längst mehr als nur ankommen.
SET-JETTING Fans wollen Drehorte sehen
Der „ Set-Jetting“ genannte Tourismus wird immer mehr zum Reisetrend. Film- und Serienfans düsen etwa nach Neuseeland, um den Hobbits in die grasbewachsenen Hütten zu lugen. Oder buchen den „ 007 Bungy Jump“ beim Verzasca-Staudamm im Tessin. Dort stürzte sich Pierce Brosnan 1995 als James Bond 200 m in die Tiefe. Oder besser gesagt sein Stuntman, der damals einen Weltrekord aufstellte. In Thailand befürchtet man gar Overtourism, ausgelöst vom „ White- Lotus“- Effekt. Die gleichnamige Serie rund um Schöne und Superreiche in einer fiktiven Hotelkette löste einen Buchungs-Hype aus.
Etwas geruhsamer geht es dagegen in Deutschland und Österreich zu. „ Görliwood“ lockt nach Görlitz, wo sich internationale Filmstars die Klinke in die Hand geben. Und am Wilden Kaiser in Tirol besuchen immer mehr Menschen Dr. Martin Gruber. Nicht weil sie höhenkrank sind, sondern um hautnah den Hof des „ Bergdoktors“ und seiner Filmfamilie zu erleben.
SLOW TRAVEL Langsam reisen, mehr( er) leben!
Mal ehrlich, wann hast du dich zum letzten Mal durch einen fremden Ort treiben lassen? Ohne vorher die besten Restaurants zu checken, online Bewertungen zu lesen und ein straffes Programm auszuarbeiten. Klar, wenn der Städtetrip auf nur wenige paar Tage begrenzt ist, wollen wir uns nicht stundenlang in seltsamen Vierteln verirren oder hungrig durch trostlose Gassen streifen. Und wenn wir Termine haben, möchten wir möglichst schnell von einem Ort zum anderen kommen.
Der ICE schlägt dann den Bummelzug. Aber wie wäre es, einfach mal den Weg zum Ziel zu machen? In den Regionalzug zu hüpfen, zwischendrin kurz auszusteigen, um die Gegend zu erkunden, zu übernachten und am nächsten Tag die Reise fortzusetzen. Mit dem Deutschlandticket gehört einem gefühlt die Welt – zumindest, wenn sie sich auf die Bundesrepublik beschränkt! Statt auf Empfehlungen im Internet zu vertrauen, fragst du unterwegs einfach Einheimische, wo es schön ist. Dann merkst du plötzlich, wie befreiend es ist, das Smartphone wegzulegen. Vielleicht bekommst du ja Lust, ein Reisetagebuch zu schreiben. Oder den Skizzenblock mitzunehmen und den funkelnden Chiemsee, das weite Watt oder die bunte Heidelandschaft einzufangen.
QUIET PARKS Stille bedeutet nicht: Leere!
Wann war es das letzte Mal so richtig still, mucksmäuschenstill, so still, dass du das Rauschen des Blutes in deinen Ohren gehört hast? Schwer, so etwas zu finden, in einer Welt, die nie stillsteht und die durch permanente Erreichbarkeit und digitale Reizüberflutung ständig nach Aufmerksamkeit giert. Die US-amerikanische Organisation Quiet Parks International( QPI) hält dagegen: 2019 hat sie in Ecuador den ersten zertifizierten Wilderness Quiet Park ausgezeichnet. Ihre selbstgewählte Mission ist es, die Stille für uns alle zu bewahren, indem sie öffentliche – und private – Orte voller Ruhe in der Natur und in der Stadt findet. So soll man auch auf Quiet Trails beim Wandern die natürliche Klanglandschaft erleben, ganz ohne( menschengemachte) Lärmbelästigung.
Das Schöne an diesem Trend: Jeder kann solch stille Orte finden, die inmitten allen Trubels auch heute noch existieren. Und sie dann für sich selbst bewahren – oder QPI für eine Zertifizierung vorschlagen. Ob in Südafrika, in Spanien, in den USA: Es sind Zufluchtsorte für alle, die Stille nicht als Leere, sondern als Kraftquelle verstehen.
FLUSSKREUZFAHRTEN
Entspannen und trotzdem viel erleben
Dinnerjacket, Rollator, Alleinunterhalter – eine Flusskreuzfahrt hat immer noch das Image eines vergilbten Siebzigerjahrefilms. Stimmt aber schon lange nicht mehr. Und Flusskreuzfahrten liegen im Trend, und das weltweit. Ob auf dem Nil, Amazonas, Mekong oder Rhein. Der Vorteil ist ja, du kannst entspannen und trotzdem viel erleben, du hast die Wohnlichkeit deiner Schiffskabine und bist trotzdem schnell mitten im Geschehen. Ganze Regionen oder Landschaften erschließen sich oft am besten vom Flussschiff aus – seien es die ägyptische Wüste, der brasilianische Dschungel, das Donaudelta oder das Loiretal. Und viele Attraktionen liegen quasi vor deiner Kabinentür. Städte wie Budapest, Köln, Dresden oder Paris wirken nun mal am schönsten vom Fluss aus.
Um auch junge Leute anzusprechen, kommen die Kreuzfahrtanbieter immer wieder auf neue Ideen: Sie nehmen Kajaks mit an Bord, mit denen du auch in die schmalen Kanäle kommst, oder Fahrräder, um durchs Hinterland oder den Ort zu radeln. Auch für den Umweltschutz tun sie immer mehr. Das fängt bei der Müllvermeidung an und hört bei der Kraftstoffwahl noch lange nicht auf. Kleine Boote sind auch zunehmend mit E-Motoren unterwegs.
Und, wohin geht die Reise? Weitere Reisetrends findest du im MARCO POLO Trendguide 2026: www. marcopolo. de