„ Zwischen Tacos und Teotihuacán lasse ich mich durch Mexiko-Stadt treiben.“
Nico Metzger, Redakteur
W er wie ich acht Tage Zeit hat, um die mexikanische Hauptstadt zu erkunden, wird schnell merken: Das hier ist keine Metropole, die man einfach „ abarbeitet“. Es ist eine Stadt, die man erleben, schmecken, einatmen und durchschreiten muss. Ich habe während meines Aufenthalts bei einem Freund in Roma Sur gewohnt – ein Viertel, das sich als idealer Ausgangspunkt erwiesen hat. Roma Sur, Roma Norte, Condesa, Polanco: Alles Namen, die man auch in Reiseführern liest. Und ja – völlig zu Recht. Diese Stadtteile sind grün, gepflegt, architektonisch spannend und bieten unzählige Cafés, Galerien und Restaurants, in denen man sich verlieren kann. Besonders begeistert war ich vom Klima: Mitte April kein einziger Tropfen Regen, angenehme Temperaturen, selbst zur Mittagszeit. Und überall diese kleinen Straßenstände mit frischen Säften – Mango, Papaya, Orange, Ananas, Guave. Die perfekte Erfrischung für unterwegs.
� Farbenfrohe Fassaden und entspannte Straßenmomente – Mexiko-Stadt, wie man sie liebt.
� Tacos al Pastor: Das Fleisch wird in eine kleine Maistortilla gegeben und mit fein gehackten Zwiebeln, Koriander und Ananaswürfeln serviert.
Dann gibt es da noch Tacos. Wer denkt, Tacos seien nur ein Fastfood-Snack, hat Mexiko-Stadt noch nicht erlebt. Es ist eine Kultur für sich, ein soziales Bindeglied. Morgens, mittags, abends. An Straßenecken, unter Lichterketten, vor beleuchteten Ständen mit brutzelnden Trompos, den sich drehenden Fleischspießen. Die Köche – man müsste sie eigentlich als Taqueros bezeichnen – arbeiten mit einer Selbstverständlichkeit, als wären ihre Bewegungen einstudierte Choreografien. Ohne hinzusehen, schneiden sie hauchdünne Fleischstreifen vom Spieß, schleudern ein Stück Ananas in hohem Bogen und fangen es punktgenau auf dem frisch gefalteten Maisfladen auf. Besonders beeindruckt hat mich die Taquería Orinoco, wo der Spieß so riesig war, dass man kaum glauben konnte, wie viel davon täglich in Tacos verwandelt wird. Man munkelt, es seien über 100 Kilogramm Fleisch pro Tag.
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� Hinter dem Schloss beginnt die grüne Lunge der Stadt – und dahinter der Großstadtdschungel.
Natürlich habe ich auch „ Klassiker“ besucht: Das Nationalmuseum für Anthropologie, das auf wunderbare Weise die Geschichte und Vielfalt Mexikos zeigt. Noch eindrucksvoller fand ich allerdings das „ Museo Nacional de Historia“ im Schloss von Chapultepec. Der Ausblick auf die Stadt von dort oben – fast schon poetisch. Mein persönliches Highlight? Eine Ballonfahrt bei Sonnenaufgang über Teotihuacán. Ich war zunächst skeptisch, da unser gebuchter Tagestrip ein bisschen nach Instagram-Tourismus klang – aber falsch gedacht. Der Anblick der Pyramiden, das erste Licht des Tages, das sanfte Schweben: ein Moment, den man nicht vergisst. Nach der Landung gab es einen kleinen Sektempfang samt persönlichem Zertifikat – ein nettes Detail. Danach ging es weiter zu einem Frühstück der besonderen Art: im Restaurant „ La Gruta“, das sich in einer natürlichen Lavahöhle direkt bei Teotihuacán befindet. Frisch gestärkt machten wir noch einen kurzen Zwischenstopp in einem lokalen Laden für Spirituosen und Handwerk – viel Souvenir-Potenzial, aber auch ein Blick auf mexikanische Tradition. Zum Schluss ging es dann noch direkt hinein in die archäologische Stätte selbst: zu Fuß durch das weitläufige Gelände, vorbei an den monumentalen Pyramiden, die wir am Morgen noch aus der Luft bestaunt hatten. Ein Rundum-Erlebnis, das nicht nur visuell beeindruckt, sondern Mexikos Geschichte und Gastfreundschaft auf wunderbare Weise vereint.
5 Dinge, die ich gelernt habe
1
Straßenverkehr mit Augenmaß Ampeln sind Vorschläge, keine Anweisungen. Wer sich auf ein „ Ecobici“-Leihrad schwingt, bekommt echtes Local-Feeling – sollte aber aufpassen. Für die meisten ist „ Uber“ die beste Wahl: sicher, schnell und wirklich günstig.
2
Einfach mal reingehen Die besten Geschichten gibt’ s in den kleinen, privat geführten Restaurants und Märkten. Mit Händen, Füßen und Google Translate klappt die Verständigung immer. Und das Essen? Meist unbezahlbar gut.
3
Sonnencreme ist Pflicht! Mexiko-Stadt liegt über 2.200 Meter hoch – und das merkt man. Die Sonne brennt hier stärker als in Deutschland, auch wenn es nicht übermäßig heiß wirkt. Wer sich den ersten Tag nicht ruinieren will, sollte Sonnenschutz ernst nehmen, auch im Schatten.
4
Zeit mitbringen beim Bezahlen In Mexiko läuft das Bezahlen entspannter, aber auch langsamer ab. Erst fragt man
nach der Rechnung, dann wird bezahlt – bar oder mit Karte. Wer Wechselgeld braucht oder mit Karte bezahlen möchte, wartet. Das gehört hier einfach zum Rhythmus dazu.
5
Hier ist immer was los Mexiko-Stadt ist laut. Ob hupende Autos, Musik aus offenen Fenstern oder das Müllauto mit seinem durchdringenden Lautsprecher – Stille ist hier selten. Gerade am frühen Morgen kann das anstrengend sein. Wer sensibel auf Geräusche reagiert, sollte unbedingt Ohrstöpsel einpacken – oder sich innerlich auf eine Stadt einstellen, die niemals ganz zur Ruhe kommt.