The Voyager 25.06.2026 | Page 25

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KORSIKA Mare e Monti

Zwischen Buchten und Gumpen

Der Mare e Monti auf Korsika ist die genussvolle Alternative zum GR20. Er führt durch die Küstenberge im wilden Westen der französischen Insel, in Zauberwälder und stille Bergdörfer.

Von Florian Sanktjohanser

D ie Mutigen springen von der Brücke: elf Meter hinab ins smaragdgrüne Wasser. Wir steigen

� Das Dorf Girolata im Naturreservat Scandola ist nur zu Fuß oder über das Meer erreichbar. lieber zu den Felswänden hinab, die die Gumpen von Tuvarelli wie einen Minifjord einfassen. Nach dem ersten Sprung ist klar: Diese Tour wird ganz nach unserem Geschmack. Der Mare e Monti macht seinem Namen alle Ehre. 125 Kilometer führt er von Calenzana nach Cargèse durch Korsikas wilden Westen, zwischen Bergen, Meer und Macchia. Am Fango wandern wir über Sandpfade entlang alter Trockenmauern, vorbei an Steineichen, Erdbeerbäumen und Eidechsen. In einer Klamm zwischen rosafarbenen Felsen wartet der nächste Badestopp.

Am nächsten Tag schützt uns ein schattiger Waldpfad vor der Hitze. Kastanien, Steineichen, Schmetterlinge und das Rauschen eines Bachs lassen den Weg fast tropisch wirken. Immer wieder öffnet sich der Blick zurück aufs Meer und den Hafen von Galéria, bis wir auf der Punta di Literniccia auf knapp 800 Metern

� Unterhalb der Ponte Vecchiu bei Galéria wird an heißen Sommertagen auch gebadet. stehen: vor uns der Golf von Girolata, das Cap Senino und die roten Felsen der Scandola-Halbinsel. Hinab geht es nach Girolata, ein winziges Dorf ohne Straßenanschluss, einst Piratennest, heute berühmtes Ziel an der Küste. Am nächsten Morgen wählen wir den Küstenpfad und werden mit Blicken auf die Bucht, den Genueserturm und die Cala di Tuara belohnt. Zu schön ist die kleine Bucht, um nicht doch noch einmal ins türkisfarbene Wasser zu springen.

Danach führt der Weg wieder in die Berge. Abends kehren wir in stillen Dörfern ein,

„ Urlauber in den Badeorten bekommen diese Seite Korsikas nie zu sehen.“ wo Oleander und Bougainvilleen vor ockerfarbenen Steinhäusern blühen. Die Zimmer sind einfach, die Mahlzeiten großartig: korsische Spezialitäten, mehrgängige Menüs, gutes Brot, Käse und Wein.

In der Spelunca-Schlucht begegnen wir einem Strom aus Ziegen, wandern über alte Steinbrücken und durch rote Felswände. Dahinter wartet Tassu, ein verlassenes Dorf, in dessen Ruinen Efeu und kleine Bäume wachsen. In Marignana erzählt uns Paul Ceccaldi, wie der Mare e Monti seit 1984 Wanderer in die Bergdörfer bringt.

Am Abend sitze ich vor einem Kastanien-Omelette, hebe mein Glas und denke: Santé, auf Korsika, seine Berge, Bäche und Buchten.

DIE TOUR

Start: Calenzana Ziel: Cargèse Länge: 125 km Dauer: 9 bis 11 Tagesetappen

CALENZANA

GALÉRIA

PONTE VECCHIU

BOCCA DI FUATA

GIROLATA CALA DI TUARA

CURZU

PUNTA DI LITERNICCIA

SERRIERA

TUVARELLI

CAPU SAN PETRU

SPELUNCA- SCHLUCHT

PONT DE ZAGLIA

MARIGNANA

CARGÈSE

INFOS

Anreise: Per Zug nach Livorno, Savona, Nizza oder Toulon, wo Fähren nach Korsika starten. Aus mehreren deutschen Städten fliegt man mit einem Umstieg nach Calvi, von Köln aus gibt es sogar Direktflüge.

Beste Jahreszeit: Frühling und Herbst. Im Mai blüht die Macchia, im September und Oktober wird es kühler, während das Meer aber noch warm genug zum Baden ist.

Übernachtung: Am Ende jeder Etappe findet sich mindestens eine Herberge, Gîte d’ étape genannt. Einige sind das ganze Jahr über geöffnet, die meisten aber nur von April bis Oktober.

Gut zu wissen: Die Wege sind einfach, manche Etappen erfordern allerdings gute Kondition – vor allem in den heißen Sommermonaten.

Mehr Infos: Eine Goldgrube für Informationen über Korsika ist die Webseite www. paradisu. de

� Wer nach der Tour noch ein Minimum an Kraft in den Beinen hat, sollte unbedingt ein paar Tage in Piana dranhängen.

Nordirland: Causeway Coast Way �