„ Wie aus Hawaii Fidschi wurde. Manchmal verlaufen Reisen ganz anders als geplant – und werden genau deshalb unvergesslich.“
Julia Schuster, Lektorat und Chief Coconut Officer
U nser Osterurlaub sollte uns eigentlich für zwei Wochen nach Hawaii führen, an unseren absoluten Lieblingsort auf der Welt. Die Reise war bereits ein Jahr im Voraus festgelegt. Hotelpunkte waren eingelöst, Flüge gebucht und die Vorfreude riesig. Geplant waren eine Woche Erholung auf Maui mit Schnorcheln und Entspannen im Luxusresort sowie ein Ausflug entlang der Road to Hana. Danach sollte eine aktive Woche auf Oahu mit vielen Tagesausflügen folgen.
Zwei Wochen vor der Abreise wurde Hawaii jedoch von einem sogenannten Kona Low getroffen, einem lang anhaltenden Sturmsystem, das außergewöhnlich starke Regenfälle mit sich brachte. In der Folge kam es zu Überschwemmungen, Erdrutschen, Straßensperrungen und verschmutzten Stränden. Besonders hart traf es die Surfer-Community am North Shore auf Oahu. Viele Menschen verloren ihr Zuhause und standen vor den Trümmern ihrer Existenz. Wir waren lange unsicher, ob wir die Reise antreten sollten. In den Hawaii-Foren, in denen wir seit Jahren aktiv sind, gingen die Meinungen der Einheimischen auseinander. Die einen baten Touristen, fernzubleiben, die anderen betonten die Bedeutung des Tourismus für die lokale Wirtschaft. Als wenige Tage später ein weiteres Kona Low über die Inseln zog und erneut schwere Schäden verursachte, fällten wir unsere Entscheidung. Drei Tage vor Abreise beschlossen wir, unseren Traumurlaub zu verschieben – nicht nur, weil wir aufgrund der Sturmschäden und des anhaltend schlechten Wetters befürchteten, vor Ort keine gute Zeit zu haben, sondern vor allem, weil wir den Menschen, die gerade ganz andere Sorgen hatten, unseren Respekt zollen wollten.
� Abendessen unter freiem Himmel am Strand.
� Unser Bungalow am Strand von Fidschi im ersten Hotel.
Zu Hause bleiben kam für uns aber nicht in Frage – zu lange hatten wir uns auf die Auszeit als Familie gefreut. Also suchten wir nach Alternativen. Wichtig war uns ein tropisches, warmes Reiseziel mit viel Natur, Meer und Erholung. Irgendwann brachte mein Mann Fidschi ins Spiel, was schon lange weit oben auf unserer Bucket List stand. Nach vielen Telefonaten und Umbuchungen gelang ihm das Kunststück, unsere bestehenden Hawaii- Flüge zu behalten und zusätzlich Flüge nach Nadi auf Fidschi sowie zwei wunderschöne Resorts zu organisieren. So starteten wir wie geplant Richtung Hawaii, verbrachten dort einen Tag und flogen anschließend knapp sieben Stunden weiter in die Südsee nach Fidschi.
Bereits bei unserer Ankunft auf Fidschi wurden wir mit einem herzlichen „ Bula!“ begrüßt. Das Wort bedeutet wörtlich „ Leben“ oder „ Gesundheit“ und wird als Hallo, Willkommensgruß oder Trinkspruch verwendet. Es steht sinnbildlich für die Herzlichkeit der Menschen auf Fidschi.
� Sunset Cruise um Sonaisali Island
Unser erstes Hotel lag auf der kleinen, autofreien Insel Sonaisali Island und war nur per Boot erreichbar. Wir wohnten in einem Bungalow direkt am Strand, umgeben von einem tropischen Garten voller exotischer Pflanzen. Die erste Woche verbrachten wir fast ausschließlich dort. Wir schwammen im warmen Meer, tranken frische Kokosnüsse an der Poolbar, spazierten durch die Anlage und genossen abends lokale Spezialitäten unter dem Sternenhimmel. Außer einem Besuch auf einem lokalen Markt und einer Sunset-Bootstour unternahmen wir kaum etwas. Die Erholung stellte sich sofort ein.
In der zweiten Woche wechselten wir in ein größeres Resort auf Denarau Island. Von dort aus konnten wir den Hafen mit seinen Restaurants, Cafés und Geschäften bequem erreichen. Gleichzeitig war Denarau der ideale Ausgangspunkt für Ausflüge aller Art, wie zum Beispiel Inselhopping, Schnorcheln, Tauchen, Bootstouren oder der Besuch einer traditionellen Kava-Zeremonie. Kava ist das Nationalgetränk des Landes und wird aus der Wurzel der Rauschpfefferpflanze gewonnen.
� Der Weg von unserem Bungalow durch den Resort- Garten zum Frühstück.
� Ein tropisches Paradies: überall üppiges Grün und exotische Blüten.
Auch hier verbrachten wir die meiste Zeit am oder im Wasser. Das türkisfarbene Meer, die üppig grünen Regenwälder und die außergewöhnliche Freundlichkeit der Menschen trugen dazu bei, dass jeder Tag etwas Besonderes war. Schnell wurde uns klar, warum Fidschi für viele ein Traumziel ist.
Am Abreisetag wurde es noch einmal spannend. Über Nacht war der Zyklon Vaianu aufgezogen und hatte für Überschwemmungen und Schäden überall gesorgt. Lange war unklar, ob unser Flug wie geplant stattfinden würde. Wie durch ein Wunder klappte aber schließlich alles und das Beste war, dass die Maschine nur halb voll war. Jeder von uns hatte eine komplette Sitzreihe für sich allein und konnte ein paar Stunden schlafen – unsere persönliche „ Poor Man’ s Business Class“.
� Regenbogen am Abend über dem Diamond Head, Waikiki Beach, Hawaii.
So waren wir bei unserer Ankunft auf Hawaii fit und verbrachten noch einen Tag und eine Nacht auf Oahu, bevor unser Abenteuer leider zu Ende war und wir nach Hause mussten. So wurde aus einem abgesagten Hawaii-Urlaub überraschend eine Reise nach Fidschi. Rückblickend hätten wir uns kein schöneres Ersatzprogramm wünschen können.
Mein Fazit: Manchmal macht das Leben andere Pläne als wir – und genau darin liegen oft die schönsten Überraschungen. Naturkatastrophen können wir nicht beeinflussen. Wichtig ist, offen für Planänderungen zu bleiben, denn oft entstehen gerade daraus die schönsten Reiseerlebnisse.