The Voyager 29.10.2026 | Page 11

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AYURVEDA-

Experiment

Vierzehn Tage Ayurveda in Kerala. Eine Reise voller Begegnungen, wohltuender Berührungen und neuer Entdeckungen. Ein Abenteuer mit geschlossenen Augen.

Von Gordon Below

I n der ersten Nacht ist das Meer nur ein Geräusch. Am Morgen bekommt es ein Bild: Wellen brechen vor dem Strand, weiße Gischt läuft über den Sand.

Gordon Below, Fotograf, Entdecker und Geschichtensammler indien-jones. com

Vierzehn Tage Kerala liegen vor mir. Zwei Wochen an einem einzigen Ort. Als Fotograf bin ich sonst dort unterwegs, wo etwas passiert. Diesmal darf ich bleiben und entdecken, was sich zeigt, wenn ich mir Zeit lasse. Begonnen hat diese Reise auf der Stuttgarter Reisemesse CMT. Dort lerne ich Martine Schnitzer kennen, mit der ich die Begeisterung für Indien teile. Unser Gespräch macht mich neugierig auf Ayurveda. Ich möchte es selbst erleben, mit allen Sinnen und der Offenheit, mich auf einen ungewohnten Alltag einzulassen.

Wir wohnen im Soma Manaltheeram Ayurveda Beach Village. Der Garten, das Meer und der Blick vom Restaurant begeistern mich schon bei der Ankunft. Im Laufe der Tage bekommt dieser schöne Ort Gesichter. Es sind die Menschen, ihre Aufmerksamkeit und ihre herzliche Art, die mir besonders in Erinnerung bleiben. Zwischen den täglichen Abläufen ist Platz für ein Gespräch, ein Lächeln und einen kleinen Spaß. Ich fühle mich gut aufgehoben.

Die erste Konsultation dauert rund eine Stunde. Drei Ärzte nehmen sich Zeit, stellen Fragen, Martine hilft beim Übersetzen und Einordnen. Daraus entsteht mein persönlicher Behandlungsplan. Auch danach gehört die Frage nach meinem Befinden zum täglichen Ablauf. Wie habe ich geschlafen? Wie fühlt sich mein Körper an? Diese beständige Aufmerksamkeit beeindruckt mich. Martine bleibt für Fragen ansprechbar und begleitet uns mit ihrer ruhigen, souveränen Art.

Ruhe und Rhythmus zugleich: Bei den Anwendungen wird das Loslassen zur Übung.

Meine Therapeuten Unni und Manu arbeiten als eingespieltes Team. Vier Hände, kräftige Bewegungen, ein gemeinsamer Rhythmus. Ich bin jemand, der gerne gestaltet und die Richtung vorgibt. Hier darf ich mich ganz ihren Händen anvertrauen. „ Genieße. Nimm es an“, sage ich mir und schließe die Augen.

Später fließt warmes Öl Guss um Guss über meinen Körper. In meiner Wahrnehmung wird daraus ein ganzer Wasserfall. „ I’ m in heaven“, antworte ich auf die Frage nach meinem Befinden. Die warmen Milchaufgüsse überraschen mich noch einmal: ein Duft nach Kräutern, Wärme auf der Haut, das Gefühl, in einen Kokon gehüllt zu sein. Als Fotograf schaue ich gewöhnlich sehr genau hin. Hier entdecke ich, wie fein meine Wahrnehmung auch mit geschlossenen Augen sein kann.

Nach den Anwendungen bleibt Zeit zum Nachspüren. Bademantel, Kokosnuss, Terrasse. Langsam geht es zurück in den Tag. Der feste Rhythmus tut mir überraschend gut. Yoga, Anwendungen, Essen und Ruhe geben den Stunden einen wohltuenden Rahmen. Besonders beim Yoga bemerke ich, wie sich mein Körper auf die anschließenden Behandlungen einlässt. Ausgerechnet ich, der gerne spontan unterwegs ist, genieße diese Wiederholung.

Auch die vegetarische Küche gehört für mich dazu. Die Gerichte sind frisch, abwechslungsreich und voller Kräuter. Ich entdecke, wie gut mir diese Art zu essen gefällt. Der Blick vom Restaurant aufs Meer macht die Mahlzeiten zu Momenten, für die ich mir gerne Zeit nehme.

Die Kur findet auch zwischen den Anwendungen statt – beim Essen, beim Yoga und in den Ruhezeiten.

Meine Frau Kerstin begleitet mich. Sie kommt erschöpft und mit Beschwerden an und erlebt während dieser zwei Wochen spürbare Linderung und deutliche Erholung. Der Aufenthalt tut ihr sehr gut; am liebsten wäre sie noch eine Woche geblieben.

Natürlich bleibt auch die Kamera im Einsatz. Am Strand ziehen Fischer ihre Netze Meter für Meter ein. Ich beobachte ihre Bewegungen und das gemeinsame Arbeiten, mit Respekt vor den Menschen, deren Alltag ich fotografiere. Beim Umzug zu Ehren Ganeshas in Thiruvananthapuram folgen meine Bilder den Trommlern, großen Masken und der ausgelassenen Freude. Kerala schenkt mir Motive und Begegnungen, während im Resort Zeit bleibt, all das nachklingen zu lassen.

Was ich mitnehme, ist die Erinnerung an warme Berührungen, aufmerksame Menschen und einen Alltag, in dem Erholung ihren festen Platz hat. Ich komme voller Energie an und entdecke, wie wohltuend es ist, sie mit Gelassenheit zu verbinden. Mein Blick auf Indien ist um eine persönliche Erfahrung reicher geworden. Ich würde wiederkommen.

Draußen ziehen die Fischer weiter ihre Netze ein. Das Meer rauscht. Und mein zweiter Blick führt nach innen. Hier gibt es noch mehr Bilder von meiner Reise.