The Voyager 01.10.2026 | Page 27

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Florian Schuster, Geschäftsführer

New York City Eine Stadt, die mich nicht loslässt

M anche Städte kennt man, bevor man sie zum ersten Mal betritt. New York war für mich so

eine Stadt. Sie lief in meiner Kindheit im Dauerprogramm: in Filmen, in Serien, in der Tagesschau. „ Hauptstadt der Welt“ nannte man sie damals – hier die UNO, dort die Wall Street. Gleichzeitig war sie verrufen: Anfang der Neunziger zählte die Stadt in einem einzigen Jahr über 2.200 Morde. Sehnsuchtsort und Angsttraum in einem – genau diese Widersprüchlichkeit hat mich fasziniert. Ich wollte das mit eigenen Augen sehen.

Im Jahr 2000 haben mein bester Freund und ich es dann getan. Wir waren beide vorher nie über Europa hinausgekommen. Also buchten wir zwei Tickets nach New York, 1.000 Mark pro Person, bezahlt mit dem ersten selbst verdienten Geld. Unser Hotelzimmer war kaum größer als das Bett, den Koffer konnten wir nicht aufklappen – aber es hatte ein eigenes Bad, und nach den Horrorgeschichten von Kollegen über Etagenduschen fühlte sich das wie Luxus an. Naja, zumindest konnten wir es uns leisten. Wir machten das komplette Pflichtprogramm: Empire State Building, Central Park, Rockefeller Center, Times Square, mit der Staten Island Ferry an der Freiheitsstatue vorbei. Und wir fuhren hinauf auf das World Trade Center. Ziemlich genau ein Jahr später standen die Türme nicht mehr.

� Eines der ersten Fotos, das ich 2000 in New York gemacht habe.

� 2004 habe ich hier meine Frau geheiratet.

Nach dieser Reise war ich hooked. Es folgten Dutzende Trips in die USA – aber New York blieb der Ort, an den ich immer wieder zurückkomme. 2004 habe ich hier in der City Hall meine Frau geheiratet. Später war die Stadt das Ziel unserer ersten großen Reise mit unserer Tochter, noch vor ihrem ersten Geburtstag. Inzwischen stehen knapp 20 New-York-Aufenthalte in meinem Reisetagebuch, und jedes Mal entdecken wir etwas Neues. Vor allem, weil wir die touristischen Klassiker längst abgehakt haben. Heute lassen wir uns treiben, steigen bewusst in Vierteln aus, in denen wir noch nie waren, und laufen einfach los. New York ist mehr als eine Stadt: Man muss nur zwei U-Bahn-Stationen weiterfahren, um gefühlt in einer anderen Welt zu landen.

Ein paar Orte ziehen uns trotzdem jedes Mal an. Der Bryant Park zum Beispiel, der in den Achtzigern noch als No-go-Area galt – und heute ein friedlicher Ort abseits der vollen Straßen ein paar Meter weiter ist. Das Gelände des World Trade Center mit der 9 / 11-Gedenkstätte und dem Oculus. Und der Brooklyn Bridge Park, von dem aus man die Skyline und die Brücke zugleich sieht. Anderes meiden wir eher, den Trubel am Times Square etwa, durch den täglich mehrere hunderttausend Menschen geschoben werden.

� Einfach loslaufen – so entdecke ich New York am liebsten.

� New York einmal anders: Spiegelwelten im SUMMIT One Vanderbilt.

Man muss New York nicht lieben. Aber man sollte es gesehen haben. Gehört – die Sirenen klingen tatsächlich genau wie im Fernsehen. Gerochen – nicht immer angenehm. Und man sollte den Gegensatz gespürt haben zwischen der Bronx und der Fifth Avenue. Zwischen Coney-Island-Nostalgie und bahnbrechender moderner Architektur. Und am Ende bei aller Faszination und Anziehungskraft von New York auch wieder glücklich zu Hause zu sein. Ohne Straßenlärm, ohne Menschenmassen, alles zwei Gänge heruntergeschaltet. Bis einen wieder die Sehnsucht packt und die Suche nach einem günstigen New-York-Flug beginnt.

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