The Voyager 19.02.2026 | Page 16

Alle Fotos: Lisa und Wilfried Bahnmüller

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ITALIEN

Ab in den Nationalpark Abruzzen

Der Hitze entfliehen – die Abruzzen locken mit frischer Bergluft zwischen Adria und Tyrrhenischem Meer. Unberührte Natur, mittelalterliche Dörfer und wilde Gipfel machen die Region zum Geheimtipp.

Alle Fotos: Lisa und Wilfried Bahnmüller

D ie Abruzzen sind ein bisschen wie ein geheimer Joker Italiens. Alle reden von Toskana, Venetien oder Sizilien, doch die Abruzzen kennen nur wenige. Die Region liegt mitten in Italien zwischen Adria und Apennin und grenzt an Latium, Marken und Molise. Die Gegend zeichnet sich durch ihre landschaliche Vielfalt aus: breite Strände an der Küste, hohe Gipfel im Landesinneren und dazwischen ursprüngliche Dörfer und Städte. Mit drei Nationalparks, darunter der Nationalpark Abruzzen, Latium und Molise( kurz: Parco Nazionale d’ Abruzzo), beherbergt die Region seltene Tierarten wie beispielsweise den Marsischen Braunbären und bietet ein ideales Klima für Wanderungen im Sommer.

Coolcation im Selbsttest

� Civitella Alfedena ist eines der Dörfer, die den Reiz der Region prägen.

Was Coolcation genau bedeutet, haben wir selbst in den Abruzzen erlebt – im Parco Nazionale d’ Abruzzo. Die Idee, als Familie in den Sommerferien nach Rom zu reisen, war nur halb durchdacht: Zu Ferragosto war die Stadt zwar günstig, aber vor allem unerträglich heiß – und voller schwitzender Touristen. Nach vier Tagen, inklusive eines völlig überfüllten Strandtags am Lido di Ostia, gaben wir auf. Nichts wie weg. Zwei Autostunden und etliche Serpentinen später standen wir in Pescasseroli, einem kleinen Ort mitten im Nationalpark – und plötzlich in einer anderen Welt. Im Hochsommer verdoppelt sich hier die Einwohnerzahl, denn schon seit Generationen fliehen Römer in diese kühle Sommerfrische: raus aus der Hitze, rein ins grüne Herz Italiens. Während an der Küste die Sonne brennt, ist es in den Bergen angenehm luftig und perfekt zum Wandern. Der 1923 gegründete Nationalpark zählt

zu den ältesten und bekanntesten Italiens. Er umfasst rund 50.000 Hektar geschützte Natur in den südlichen Abruzzen und

� Der mittelalterliche Turm von Pescina im Valle del Giovencoy

reicht bis nach Latium und Molise. Die Landschaft ist vielfältig: In der Region ragt das Gran-Sasso- Massiv mit dem 2.912 Meter hohen Corno Grande auf, dem höchsten Gipfel des Apennins, während der Nationalpark selbst vielerorts fast so wild geblieben ist wie vor Jahrhunderten. Hier leben noch seltene Marsische Braunbären, außerdem Wölfe, Gämsen und Adler – auch wenn man die scheuen Bären als Wanderer meist nur erahnen kann.

Im Herzen: Pescasseroli

� Reiterausflüge im Val Camosciara sind sehr beliebt.

Für uns schlägt das Herz des Nationalparks in Pescasseroli: klein, charmant, mit Steinhäusern, gemütlichen Gassen und idealer Ausgangspunkt für Wanderungen durch Wälder, über Hochebenen oder zum Lago di Barrea. Besonders eindrucksvoll ist der UNESCO-geschützte Buchenwald Bosco della Difesa. Nicht weit entfernt liegt L’ Aquila, die Hauptstadt der Abruzzen am Fuß des Gran Sasso. Trotz der Erdbebenschäden von 2009 bewahrt sie mit ihren Kirchen, Palazzi und der Piazza del Duomo viel historischen Charme. Sehenswert sind auch die Basilika Santa Maria di Collemaggio und der Brunnen Fontana delle 99 Cannelle.

Kulinarisch begeistern die Abruzzen mit Arrosticini, Spaghetti alla Chitarra und Brodetto alla Vastese, begleitet von Montepulciano d’ Abruzzo. Das besondere Plus: Vormittags in den Bergen, nachmittags am Meer – Adria oder Tyrrhenisches Meer liegen nur eine kurze Fahrt entfernt.

Tipp

An den Abruzzen-Ausläufern, nur 75 Kilometer von Pescasseroli entfernt, liegt das Kloster Montecassino, eine der bedeutendsten Abteien Europas. Gegründet wurde es im Jahr 529 von Benedikt von Nursia, dem Vater des abendländischen Mönchtums. Berühmt ist Montecassino nicht nur für seine spirituelle Tradition, sondern auch für die prachtvolle Bibliothek und als Schauplatz einer der heftigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Danach wurde es originalgetreu wiederaufgebaut.

BUCHTIPP

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Das Buch „ Coolcation Europa” stellt 32 ausgewählte Reiseziele in Europa vor, die dabei helfen, dem Hitzestress zu entkommen und den Sommer mit angenehmen Temperaturen zu genießen. Ideal für alle, die lieber entspannen als schwitzen.