Während sich in Torres del Paine die Wanderer auf den Wegen drängen, liegt weiter nördlich eine Region, größer als Portugal, mit gerade einmal rund 100.000 Einwohnern. Aysén ist Patagonien, wie es einmal war.
Schotterpisten entlang von Flüssen, deren Wasser so türkis ist, dass es künstlich wirkt. Oft begegnet einem eine Stunde lang kein anderes Auto. Gletscher hängen über den Tälern, darunter grasen Pferde ohne Zaun. Das Rückgrat der Region ist die Carretera Austral, eine rund 1.200 Kilometer lange, großenteils unbefestigte Straße von Puerto Montt bis Villa O’ Higgins. Sie verbindet Fjorde, Regenwälder, Gletscher und Steppe. Unterwegs liegen Dörfer mit ein paar Holzhäusern, einer Tankstelle und einer Küche, die abends Lammbraten serviert.
Entlang der Strecke reiht sich von Nord nach Süd ein Naturschauspiel an das nächste. Im Queulat-Nationalpark bei Puyuhuapi stürzt ein Hängegletscher über eine Felskante. Weiter südlich, am türkisblauen Lago General Carrera, dem zweitgrößten See Südamerikas, den sich Chile mit Argentinien teilt, warten die Marmorhöhlen bei Puerto Río Tranquilo. Über Jahrtausende hat das Wasser Bögen, Grotten und Kapellen in den Fels gewaschen, deren gemaserte Wände je nach Licht blau, weiß und türkis schimmern. Am schönsten erkundet man sie mit dem Boot oder Kajak, früh am Morgen, bevor die Ausflugsboote kommen. Von Puerto Río Tranquilo führt außerdem eine Stichstraße zum Exploradores-Gletscher. Dort wandert man mit Guide über das Eis und blickt auf das Nördliche Patagonische Eisfeld.
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� Kaum eine Route zeigt das chilenische Patagonien so ursprünglich wie die legendäre Panoramastraße Ruta 7, besser bekannt als Carretera Austral.
Noch weiter südlich, bei Cochrane, liegt der Parque Nacional Patagonia. Er entstand 2018 aus einer großen privaten Landschenkung und schützt eine ehemalige Schaffarm, die heute wieder Guanakos, Pumas und dem seltenen Andenhirsch Huemul gehört. Die Wanderwege sind neu, die Besucher wenige. Aysén ist aber auch eine Region der Menschen, die hier mit der Natur leben. Gauchos, hier baqueanos genannt, treiben ihr Vieh noch zu Pferd über die Weiden, abends kreist der Mate, und über dem Feuer gart Lamm am Spieß. In Caleta Tortel verbinden Holzstege statt Straßen die Häuser am Steilhang. Gute Lodges mit Blick auf Seen und Gletscher machen die Reise auch ohne Zelt zum Genuss. Wer Zeit hat, fährt bis ans Ende der Carretera Austral nach Villa O’ Higgins. Hier hört die Straße auf. Weiter nach Argentinien geht es nur noch mit dem Boot über den Lago O’ Higgins und dann zu Fuß oder zu Pferd über die Grenze.
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WEGWEISER
Anreise: Flug über Santiago nach Balmaceda( bei Coyhaique), dann Mietwagen – möglichst Geländewagen.
Beste Reiseszeit: Dezember bis März
Übernachten: Familienpensionen, Cabañas, Campingplätze, einige Lodges
Unser Tipp: Mehrtagestour im Valle Chacabuco im Parque Nacional Patagonia
Gut zu wissen: Tankstellen sind rar, Reservekanister mitnehmen; Fährabschnitte vorab prüfen.