An der Nordspitze Labradors stürzen Berge direkt in arktische Fjorde. Keine Straße führt hierher, jedes Jahr kommen nur einige Hundert Besucher. Wer an Land geht, tut das nur mit einem Inuit-Guide an der Seite – und einem Gewehr gegen Eisbären.
Ein Kiesstrand, darüber Felswände, die Hunderte Meter senkrecht aufragen, gestreift in Schwarz und Rost. Bevor hier jemand an Land geht, sucht ein Inuit-Guide mit dem Fernglas die Hänge nach Eisbären ab. Erst dann geht es los – hinein in eine Landschaft, die wirkt wie am ersten Tag. Der Torngat-Mountains-Nationalpark umfasst rund 9.700 Quadratkilometer zwischen der Ungava-Bucht und der Labradorsee. Der Name geht auf das Inuktitut- Wort für „ Ort der Geister“ zurück. Der Park wird gemeinsam mit den Inuit verwaltet, für die dieses Land seit Jahrtausenden Jagd- und Lebensraum ist. Viele Guides und Bear Guards stammen aus den Küstendörfern im Süden.
Geologisch ist die Region eine Zeitreise. Manche Gesteine hier gehören zu den ältesten der Erde, über Milliarden Jahre gefaltet und von Gletschern geschliffen. Zwischen den Gipfeln liegen kleine Gletscher, im Sommer blühen Polarweiden und Steinbrech. Karibus ziehen durch die Täler, vor der Küste treiben Eisberge vorbei.
Geschlafen wird im Basiscamp, einem umzäunten Lager mit Zelten und Gemeinschaftsraum, das nur im Hochsommer geöffnet ist. Abends erzählen Älteste Geschichten aus einer Zeit, in der hier noch ganzjährig Familien lebten. Es ist ein Ort, an dem Natur und Kultur nicht getrennt werden können.
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� Im Saglek-Fjord ragen die Felswände der Torngat Mountains steil aus dem eisigen Wasser der Labradorsee. Einige ihrer Gesteine gehören zu den ältesten der Erde.
Die Tage sind lang im kurzen arktischen Sommer. Morgens geht es per Boot in die Fjorde, vorbei an Robben und treibenden Eisschollen, nachmittags auf geführte Wanderungen zu Wasserfällen und Gletscherkaren. Mit etwas Glück zeigen sich Karibus, Polarfüchse oder ein Eisbär in sicherer Entfernung am Ufer. Wer lieber schaut als wandert, findet auf Rundflügen über die Gipfel einen Blick, den nur wenige Menschen je hatten.
Was Torngat besonders macht, ist die Begegnung mit den Menschen, die hier zu Hause sind. Im Basiscamp treffen Reisende auf Forschende, Inuit- Älteste und junge Leute aus Nunatsiavut, die ihr Land erkunden. Man lernt, wie hier gejagt, gefischt und navigiert wurde, und sieht die Landschaft plötzlich mit anderen Augen: nicht als leere Wildnis, sondern als Heimat mit langer Geschichte.
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WEGWEISER
Anreise: Flug nach Happy Valley – Goose Bay, weiter per Charterflug ins Basiscamp; alternativ Expeditionskreuzfahrt.
Beste Reiseszeit: Ende Juli bis Ende August, nur dann ist das Basiscamp geöffnet.
Übernachten: Basiscamp mit Zelten und festen Unterkünften, Pauschalpakete inklusive Guides
Unser Tipp: Bootstour in den Saglek-Fjord mit Halt an alten Inuit-Siedlungsplätzen
Gut zu wissen: Anmeldung bei Parks Canada Pflicht; Bewegung im Gelände nur mit bewaffnetem Bear Guard; teuer – früh planen.